Kaffeebäuerinnen und -bauern schaffen Wert, erhalten jedoch nur einen Bruchteil des Endpreises. Die digitale Plattform 50/50 will das ändern, indem sie kolumbianische Produzent*innen direkt mit internationalen Käuferinnen und Käufern vernetzt. Ziel ist es, dass mindestens die Hälfte der Gewinne bei den Produzierenden bleibt.  

Steckbrief

  • Name:

    Stephan Meier Kämmerer

  • Beruflicher Hintergrund:

    International Business-Absolvent und Sozialunternehmer

  • Geschäftsidee:

    Vernetzung von Kaffee-Produzent*innen mit Käuferinnen und Käufern für faire Gewinnanteile.

  • Name des Unternehmens:

    50/50

  • Webseite:

    https://fifty50sc.carrd.co/

  • Geschäftsstandort:

    Kolumbien

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Kaffee ist eines der weltweit meistgehandelten Rohprodukte, doch diejenigen, die ihn anbauen, verdienen häufig am wenigsten. In Kolumbien erhalten Kaffeebäuerinnen und -bauern in der Regel nur zwei bis sieben Prozent des Endverkaufspreises – teilweise nur zwei bis vier Euro pro Kilogramm. Lange und fragmentierte Lieferketten, die oft bis zu 15 Zwischenhändler*innen umfassen, lassen den Produzierenden nur geringe Verhandlungsmacht und bieten ihnen kaum Einblick in internationale Märkte.  

Dieses Ungleichgewicht war der Antrieb für den Diaspora-Unternehmer Stephan Meier, 50/50 zu gründen – eine digitale Handelsplattform, die darauf abzielt, die Wertschöpfungskette im Kaffeehandel gerechter und transparenter zu gestalten. 

Dem Geschäftsmodells von 50/50 liegt ein einfaches Prinzip zugrunde: Kaffeeproduzierende sollen einen fairen Anteil an den durch ihre Arbeit erwirtschafteten Gewinnen erhalten: mindestens 50 Prozent nach Steuern. Um dies zu erreichen, reduziert 50/50 die Anzahl der Zwischenhändler*innen und bringt Landwirt*innen über einen digitalen Marktplatz in direkten Kontakt mit internationalen Käuferinnen und Käufern. 

Durch die Verlagerung des Handels auf eine digitale Plattform können Käufer*innen Kaffee direkt bei den Produzierenden bestellen, während diese mehr Kontrolle über Preisgestaltung, Vermarktung und langfristige Geschäftsbeziehungen gewinnen. Darüber hinaus prüft das Modell Möglichkeiten, Produzierende stärker in weitere Wertschöpfungsschritte wie Verarbeitung und Transport einzubeziehen, die üblicherweise von externen Unternehmen übernommen werden. 

Stephan wusste, dass er die Realitäten der Kaffeeproduktion aus erster Hand verstehen musste, um das Konzept in die Praxis umzusetzen. Mit finanzieller und technischer Unterstützung durch die Initiative Geschäftsideen für Entwicklung (GfE) reiste er nach Kolumbien, um eine Marktstudie durchzuführen und Beziehungen entlang der Wertschöpfungskette aufzubauen. "Die Reise war ein großer Erfolg. Wir konnten sehen, was der beste Kaffee ist und mit wem wir zusammenarbeiten werden, d.h. es handelt sich nicht um eine verzweifelte Suche nach irgendeinem Kaffee, sondern um eine Auswahl von sehr guter Qualität", erklärt er. 

Während seiner Reise traf Stephan 23 potenzielle Lieferant*innen, darunter 20 Einzelerzeuger*innen und drei Erzeugerverbände. Sie alle bestätigten, dass 50/50 ihrem Bedürfnis nach faireren Preisen und neuen Märkten entgegenkommt. Er fand auch geeignete Logistik- und Lagerpartner und testete die Vertriebskette mit einer ersten Probelieferung nach Deutschland.

Über die praktische Arbeit vor Ort hinaus ermöglichte die Unterstützung durch GfE, einen ersten Prototyp des digitalen Marktplatzes zu entwickeln, eine eigene Domain zu sichern und die Erstellung der 50/50-Website umzusetzen.  Ziel war es, eine erste Idee zu einer marktreifen Plattform weiterzuentwickeln, die potenziellen Käuferinnen und Käufern sowie Investor*innen präsentiert werden kann. 

Mit Unterstützung von GfE baute Stephan zudem Verbindungen zu Logistikdienstleistern, Marketingexpert*innen, Röstereien sowie Importeur*innen in Deutschland auf und schuf so ein Netzwerk von mehr als 100 Akteur*innen. Darüber hinaus schloss er sich dem Red Emprende Café an, einem Wissens- und Austauschnetzwerk von Kaffeeunternehmer*innen aus der deutschen Diaspora. 

Die Probelieferung nach Deutschland bestätigte die Umsetzbarkeit des Modells. Eine erste größere Exportcharge ist für 2026 geplant. Das Ziel ist, die Ausfuhren schrittweise auf fünf bis zehn Tonnen pro Jahr zu steigern. In den kommenden zwei Jahren beabsichtigt Stephan, mit rund 15 bis 20 Kaffeebäuerinnen und -bauern zusammenzuarbeiten und den digitalen Marktplatz weiter zu stärken. 

Nach der Förderung durch GfE konnte 50/50 zusätzliche Zuschüsse einwerben und positioniert sich nun gezielt in hochwertigen Marktsegmenten des Kaffeemarktes, unter anderem durch lokale Veranstaltungen und Pop-up-Formate. Gleichzeitig bleibt Stephan seinem zentralen Anliegen treu: Informationsasymmetrien zu überwinden und sicherzustellen, dass diejenigen, die den Kaffee anbauen, fair am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt werden.

Weitere Informationen zu den Angeboten für die kolumbianische Diaspora finden Sie unten.