Steckbrief
- Name der Diaspora-Organisation:
Albanian Medical Federation for Europe (AMFE)
- Hauptsitz der Organisation:
Wolfenbüttel, Deutschland
- Webseite:
- Name der Partnerorganisation:
Europa Donna – The European Breast Cancer Coalition – Ländergruppe Albanien
- Sitz der Partnerorganisation:
Tirana, Albanien
- Webseite:

Fehlinformationen, Scham und die Überzeugung, dass Krebs nicht behandelt werden kann, halten viele Frauen in Albanien davon ab, an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen, insbesondere außerhalb der größeren Städte. Wie Dr. Aurora Dollenberg von der Albanischen Medizinischen Föderation für Europa (AMFE) feststellt: „Es gibt keine Tradition der allgemeinen Vorsorgeuntersuchung, anders als bei Frauen in Deutschland."
Strukturelle Lücken verstärken diese Barrieren. Albanien verfügt noch nicht über vollständig organisierte, landesweite Screening-Programme für Brust-, Gebärmutterhals- oder Darmkrebs. Zwar existieren Angebote wie Mammographie, Pap-Abstriche und Darmspiegelungen, doch sind diese oft auf städtische Gebiete konzentriert und erfordern private Zuzahlungen.
Diaspora-Expertise trifft auf lokales Engagement
An diesem Punkt setzte AMFE an. Die Diaspora-Organisation mobilisierte albanische Gesundheitsfachkräfte, die in ganz Europa leben und arbeiten, um medizinisches Fachwissen nach Albanien zu transferieren. Das gemeinsame Ziel: die Prävention zu stärken und die Früherkennung zu verbessern. Gemeinsam mit ihrem lokalen Partner, Europa Donna Albania (EDA), konzentrierte sich AMFE auf zwei Schlüsselgruppen: Frauen im Alter von 20 bis 50 Jahren, die besonders niedrige Vorsorgeraten aufweisen, und medizinisches Fachpersonal, das eine entscheidende Rolle bei der Beratung von Patienten spielt.
AMFE steuerte wissenschaftliche Inhalte, internationale Referent*innen und berufliche Fortbildungen bei und griff dabei auf die Erfahrung von Diaspora-Spezialist*innen zurück, die in EU-Gesundheitssystemen arbeiten. EDA ergänzte dies durch intensive Öffentlichkeitsarbeit, lokale Koordination und direkten Kontakt mit Frauen, Schulen und der breiten Öffentlichkeit. Das gemeinsame Ziel war es nicht nur, aktuelles medizinisches Wissen zu teilen, sondern auch die Art und Weise zu verbessern, wie Krebsprävention und Vorsorgeuntersuchungen im Alltag kommuniziert werden.
Wenn wir in Albanien Veranstaltungen durchführen – sei es an Universitäten oder öffentlichen Schulen – begegnen mir immer die neugierigen Blicke junger Menschen. Ich empfinde eine tiefgehende Verantwortung, ein positives Beispiel zu setzen und diese junge Generation zu inspirieren, die immer noch vor denselben Herausforderungen steht wie ich während meines Medizinstudiums in Albanien.
Vom Wissen zum Handeln
Zwischen 2023 und 2024 führte die Initiative ein breites Spektrum an Aktivitäten durch: zwei medizinische Konferenzen, sechs Online-Webinare für Gesundheitsfachkräfte, zwei Schulveranstaltungen und zwei öffentliche Aufklärungskampagnen im Zentrum von Tirana. Insgesamt wurden mehr als 800 Menschen direkt erreicht, darunter rund 100 Konferenzteilnehmer*innen, 200 medizinische Fachkräfte und mindestens 500 Frauen und Gemeindemitglieder. Weitere 10.000 Menschen wurden indirekt durch digitale Öffentlichkeitsarbeit erreicht.
Gesundheitsfachkräfte erhielten aktuelles, wissenschaftlich fundiertes Wissen über Krebsprävention und Früherkennung sowie praktische Fähigkeiten in patientenorientierter Beratung. Besonderer Schwerpunkt lag auf der Bewältigung kultureller Barrieren, der Angst vor einer Diagnose und hartnäckigen Mythen rund um Krebs.
Die Auswirkungen wurden schnell spürbar. Laut EDA wurde bei einer Webinar-Teilnehmerin kurz nach dem Besuch der Veranstaltung Brustkrebs im Frühstadium diagnostiziert. Ein Ergebnis, das vom Umsetzungsteam als „der stärkste Beweis dafür, dass Aufklärung Leben rettet" beschrieben wurde.
Einstellungen ändern, Leben retten
Über Einzelfälle hinaus hat die Initiative dazu beigetragen, Einstellungen auf Gemeindeebene zu verändern. Frauen, die früher zögerten, an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen, engagieren sich nun ehrenamtlich bei Aufklärungsveranstaltungen, und Gesundheitsfachkräfte teilen aktiv Materialien mit ihren Patientinnen. Laut EDA ist das ehrenamtliche Engagement im Vergleich zu den Vorjahren um etwa 20 bis 30 Prozent gestiegen, was dazu beiträgt, die Dynamik über die Projektlaufzeit hinaus aufrechtzuerhalten. Wie Dr. Dollenberg erklärt: „Dieses Projekt hat Frauen nicht nur aufgeklärt, es hat ihnen Mut gegeben, und Mut ist der erste Schritt zur Prävention."
Aufbauend auf diesen Ergebnissen prüfen AMFE und EDA mobile Vorsorgeuntersuchungen und digitale Diagnoseeinheiten, um Frauen in ländlichen Gebieten zu erreichen. Für 2025–2026 ist eine mehrstädtische Webinar-Reihe zur Krebsaufklärung geplant.
Dieses Projekt hat gezeigt, wie viel Fortschritt wir erzielen können, wenn Fachwissen offen geteilt wird. Unser nächster Schritt ist es, diese Zusammenarbeit fortzusetzen und sie zu einem Teil der alltäglichen Praxis zu machen.
Mehr Informationen über die Angebote für die albanische Diaspora finden Sie unten.